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Boardinghouse als Zweitwohnsitz: Steuerliche Vorteile

Boardinghouse als Zweitwohnsitz: Steuerliche Vorteile

Wer berufsbedingt neben seinem Hauptwohnsitz einen weiteren Wohnort nutzt, der kann viele Kosten, die ihm durch die “doppelte Haushaltsführung” entstehen, steuerlich absetzen. Insofern lohnt es sich unter Umständen, den Aufenthalt im Boardinghouse als Zweitwohnsitz in der Steuererklärung anzugeben.

Dazu muss man grundsätzlich wissen, wann eine Unterkunft als Zweitwohnsitz gilt, welche Voraussetzungen also Euer Aufenthalt im Boardinghouse dafür erfüllen muss. Wir möchten Euch hiermit einen Überblick darüber geben, welche Kosten Ihr für einen Zweitwohnsitz steuerlich geltend machen könnt – und welche davon für die Bewohner eines Boardinghouses überhaupt in Frage kommen. Da das Thema “Zweitwohnsitzsteuer” in diesem Zusammenhang ebenfalls relevant ist, findet Ihr dazu Informationen im letzten Absatz dieses Beitrags.

Ab wann gilt ein Aufenthaltsort als “Zweitwohnsitz”?

Vermutlich plant Ihr den Bezug eines Boardinghouses – oder seid bereits glückliche Mieter – aus beruflichen Gründen. Nicht nur die sogenannten “digitalen Nomaden”, auch andere Freiberufler, Wissenschaftler und Angehörige der Kreativszene agieren zunehmend mobil und arbeiten vorübergehend in wechselnden Orten rund um den gesamten Globus. Wer aus diesem Grund eine Wohnung auf Zeit, ein Serviced Apartment oder ein Mikroapartment mietet, hat in den meisten Fällen woanders seinen Lebensmittelpunkt. Daher sind viele mobile Arbeitnehmer an ihrem Lebensmittelpunkt, bzw. an ihrem ursprünglichen “Heimathafen” gemeldet und melden am neuen Ort – am Arbeitsort – einen Zweitwohnsitz an.

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Kann der mobile Berufstätige eigentlich willkürlich wählen, welcher Ort der Erst- und welcher der Zweitwohnsitz ist? Nein! Hier die geltenden Bestimmungen für die Vergabe:

Erstwohnsitz/”Lebensmittelpunkt”

Laut Gesetzbuch ist der Hauptwohnsitz einer Person dort, wo sich sein “Lebensmittelpunkt” befindet. Sprich an dem Ort, wo die betreffende Person, die meiste Zeit verbringt. Passt nicht, weil Ihr Euch auf jeden Fall mehr im Boardinghouse als in der Heimat aufhaltet? Moment! Bei der Auslegung des Gesetzes ist man dazu übergegangen, den recht schwammig gehaltenen Ausdruck “Lebensmittelpunkt” als den Ort zu betrachten, an dem die wichtigsten sozialen Kontakte der betreffenden Person stattfinden. Damit ist der Ort gemeint, an dem Eltern, (Ehe)partner, Kinder, kurz: Familienmitglieder und andere Bezugspersonen zuhause sind. Wer Mitglied in einem Verein ist oder aber den Großteil seiner Freunde an einem bestimmten Platz verortet, der kann diesen ebenfalls als seinen “Lebensmittelpunkt” deklarieren – sprich: als seinen Hauptwohnsitz.

Übrigens: Am Hauptwohnsitz nimmt man am “öffentlichen Leben” teil: Dort geht man zur Wahl und entrichtet Steuern. Jeder, der einen Hauptwohnsitz geltend machen möchte, muss mindestens 10 Prozent der Steuern, die auf den Hauptwohnsitz anfallen, selbst bezahlen.

Zweitwohnsitz/Boardinghouse

Wer seinen Zweitwohnsitz steuerlich im Rahmen einen “doppelten Haushaltsführung” geltend machen will, der muss diesen zwingend aus beruflichen Gründen angemeldet haben. Die Anmeldung muss dafür in der Regel innerhalb von zwei Wochen beim Einwohnermeldeamt erfolgt sein – und kostet eine nur geringfügige Gebühr.

Ein steuerlich absetzbarer Zweitwohnsitz darf dabei höchstens halb so weit von der Arbeitsstelle entfernt liegen, wie der Erstwohnsitz.

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Wie muss ich Hauptwohnsitz und Zweitwohnsitz im Boardinghouse nachweisen?

Hauptwohnsitz

Finanzämter erkennen in der Regel nur dann einen Ort als Hauptwohnsitz an, wenn der Steuerzahler dort einen eigenen Hausstand unterhält – und sei es auch nur anteilig. Dazu muss sich der Steuerzahler an den Miet- und Unterhaltskosten beteiligen. Zudem muss die Hauptwohnung eingerichtet und voll ausgestattet sein und damit ganz allgemein allen gängigen Lebensbedürfnissen entsprechen. Darunter fällt die Existenz eines eigenen Wohnbereiches, einer separaten Küche und eines Badezimmers. Wer also nur ein einzelnes Zimmer – etwa im Haus der Eltern bewohnt – fällt aus dieser Regelung heraus.

Anerkannt werden:

  • Hauptmieter oder Besitzer einer Wohnung
  • Menschen, die zusammen mit ihrem Lebenspartner eine Wohnung, ein Haus mieten oder besitzen
  • Menschen, die bei ihrem Lebenspartner Untermieter sind und die Kostenbeteiligung dafür nachweisen können (Achtung: Barzahlungen lassen sich nicht nachweisen!)
  • Menschen, die Untermieter bei ihren Eltern sind, wobei der bereits erwähnte, eigene Wohnbereich wichtig ist. Auch hier muss die Kostenbeteiligung nachweisbar sein.

Zweitwohnsitz

Im Unterschied zur Hauptwohnung, für die man die Kostenbeteiligung nachweisen muss, gilt als Zweitwohnung jede Art von Unterkunft – selbst Unterkünfte, die der Steuerzahler gar nicht aus eigener Tasche bezahlt. Ein Boardinghouse als Zweitwohnsitz kommt dabei ebenso in Frage wie ein schlichtes Hotelzimmer oder eine klassische Mietwohnung. Der Einzug ins Boardinghouse muss lediglich beruflich bedingt sein.

 

wohnsitz mit zwei haustüren

Steuerersparnis für ein Boardinghouse als Zweitwohnsitz

Alle, die eine doppelte Haushaltsführung in ihrer Steuererklärung geltend machen, erhalten viele verschiedene Teilkosten anteilig zurück. Folgende Posten fallen darunter:

  • Kosten für die Miete
  • Kosten für die Verpflegung
  • Kosten für die Reise zum Hauptwohnsitz
  • Kosten für die Renovierung: Entfallen bei einem Boardinghouse als Zweitwohnsitz
  • Kosten für Einrichtungsgegenstände: Entfallen in der Regel im Boardinghouse
  • Kosten für den Umzug: Entfallen in der Regel, da es sich bei einem Boardinghouse um eine möblierte Wohnung handelt

Mietkosten:

  • Seit dem Jahr 2014 dürft Ihr monatlich maximal 1000 Euro für die Miete der Zweitwohnung absetzen.

Fahrkosten:

  • Fahrten zu Beginn und Ende der doppelten Haushaltsführung
  • eine Familienheimfahrt pro Woche (Kilometerpauschale: 0,30 € pro gefahrenen Kilometer – gilt für die kürzeste Wegstrecke und nicht für Fahrten mit dem Firmenwagen)

Verpflegungskosten:

  • für die ersten drei Monate der doppelten Haushaltsführung (es gelten die gleichen Pauschalen wie bei Dienstreisen): in den Zeitraum fällt auch eine etwaige Geschäftsreise vor Beginn der beruflichen Tätigkeit am Zweitwohnsitz

➪ Alle anfallenden Kosten werden in der Steuererklärung unter “Werbungskosten” angegeben. Denkbar ist auch die Angabe weiterer Kosten, die mit dem Unterhalt der Zweitwohnung in Zusammenhang stehen. Versuchsweise sollte man alle weiteren Kosten in der “Anlage N” bei den Werbungskosten angeben. So kann das Finanzamt alle Posten prüfen und erstattet eventuell noch etwas mehr zurück.

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Unterschiedlich hoch: Die Zweitwohnsitzsteuer

Wer einen Zweitwohnsitz unterhält, muss dafür in vielen Fällen Steuern entrichten. Die Höhe der Zweitwohnsitzsteuer hängt von der Besteuerung des jeweiligen Bundeslandes ab – in einigen Bundesländern wird die Steuer überhaupt nicht erhoben. Hier einige Bespiele der Steuersätze, die auf die Kosten der Nettokaltmiete berechnet werden:

  • Dortmund 12 %
  • Köln 10 %
  • Stuttgart 10 %
  • Essen 10 %
  • Bremen 10 %
  • München 9 %
  • Hamburg 8 %
  • Berlin 5 %

Ausnahmen von der Besteuerung gelten allerdings auch hier. Beispielsweise müssen verheiratete Berufspendler keine Zweitwohnsitzsteuer entrichten.

 

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