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Alternative Wohnformen: Adé Mietwohnung, WG und Altersheim!

Alternative Wohnformen: Adé Mietwohnung, WG und Altersheim!

Ein Blog, der das Thema Wohnen beleuchtet, beschäftigt sich zwangsläufig immer wieder mit den beiden aktuell größten Problematiken am deutschen Wohnungsmarkt: Wohnungsnot und überteuerte Mieten. Dies betrifft vor allem Großstädte wie Berlin, Hamburg oder Köln. Aber nicht nur: Auch in klassischen mittelgroßen Studentenstädten ist der verfügbare Wohnraum dem Ansturm an Bildungswilligen nicht gewachsen.

Jetzt, da die Not groß ist, hat ein Umdenken eingesetzt: Projektentwickler und Stadtplaner haben neue Wohnkonzepte geschaffen, die sich an den neuen Lebenskonzepten der Menschen und der aktuellen Wohnungslage orientieren. Aber auch die Betroffenen selbst werden aktiv und schaffen sich als Reaktion auf die Lage der Nation alternative Wohnformen selbst. Senioren-WGs, tiny houses und Mikroapartments sowie Ökodörfer sind nur einige Stellvertreter fürs Wohnen der Zukunft, das wir euch in diesem Beitrag vorstellen wollen. Quasi als Alternative zu WG, Mietwohnung und typischem Einfamilienhaus.

Gemeinschaftliche Wohnformen

Drei Freundinnen stehend lachend vor HausSchon lange verlagert sich das Leben immer mehr in die (Groß-)Städte. Das Landleben ist nicht mehr so gefragt, vor allem nicht bei den jüngeren Altersgruppen. Um der vielfach beschworenen Anonymität in Großstädten und der Vereinsamung ihrer Bewohner entgegen zu wirken, geht der Trend hin zu alternativen Wohnformen, in denen eine Gemeinschaft entsteht. Und damit ist nicht die klassische Studenten-WG gemeint. Abseits dieser Wohnform haben sich diverse andere gemeinschaftliche Wohnprojekte herausgebildet, die mitunter auch bei der Miete Einsparungen erzielen.

  1. Bereits vor einigen Jahren etabliert hat sich das Wohnen-gegen-Hilfe-Modell, das Studenten mit Geldsorgen und Senioren zusammenbringt. Letztere haben oft große Wohnungen mit ungenutzten Zimmern oder ein Haus mit Einliegerwohnung. Die jungen Menschen wohnen dann mietfrei oder weitaus günstiger als üblich bei den Rentnern. Im Gegenzug helfen die Studenten im Haushalt und im Garten, begleiten die Senioren zu Arztterminen, beim Einkauf oder unternehmen etwas mit ihrem betagten Mitbewohner.
  1. In sogenannten Mehrgenerationenhäusern lebt eine aktive und bunte Gemeinschaft aus Kindern, Erwachsenen und Senioren – und zwar miteinander, nicht nebeneinander. Kerngedanke dieser alternativen Wohnform ist, dass Jung und Alt voneinander lernen, sich in Gesprächen gegenseitig bereichern und das generationsübergreifende Engagement wächst. Dies geschieht vor allem in gemeinschaftlich genutzten Räumen der Mehrgenerationen-Immobilien in Deutschland, dem offenen Treff. Dies ist auch der Ort, an dem ehrenamtliche Helfer zusammen mit den Generationen Projekte austüfteln und Bildungs- und Kreativangebote für die Bewohner stattfinden. Pflegebedürftige Mieter und deren Familien erhalten ebenfalls Unterstützung von den Freiwilligen.
  1. Auch die Senioren-WG boomt in Deutschland, denn sie ist die alternative Wohnform zum gefürchteten Altersheim, wenn es ganz alleine nicht mehr geht oder in der großen Wohnung alleine die Einsamkeit lauert. Wohngemeinschaften aus Rentnern, die noch relativ selbstständig sind, bieten ein über weite Strecken selbstbestimmtes Leben und die Stärkeren helfen den Schwächeren. Bei Bedarf steht den Bewohnern Pflege- und Betreuungspersonal vor Ort zur Verfügung.

Business-WGs: Zusammen leben und arbeiten

  1. Junge Frau sitzt an Tisch vor LaptopUnter jungen Leuten immer beliebter wird die Business-WG. Im Zeitalter digitaler Nomaden finden sich darin berufstätige Menschen, die für ihren Job oft die Stadt wechseln, zum Wohnen auf Zeit zusammen. Der große Vorteil am Co-living in einer Business-WG: Neu in einer Stadt angekommen, knüpft man gleich Kontakte zu Gleichgesinnten – privat wie beruflich. So entstehen in Co-living-Wohnprojekten nicht selten auch gemeinschaftliche Job-Projekte. Außerdem ist die Miete für so ein WG-Zimmer günstiger als ein mehrmonatiger Aufenthalt im Hotel. Da das Mietverhältnis nicht dauerhaft ist, sind die Business-WGs komplett möbliert bis hin zu Handtuch, Bettwäsche und Geschirr. Eine Sache, die den Ein- und Auszug voll eingespannter Berufstätiger enorm erleichtert.

Alternative Wohnformen auf kleinstem Raum und auf Zeit

Wie wollen und wie werden wir unter den gegebenen Voraussetzungen in Zukunft leben? Diese Frage beschäftigt Mieter wie Stadtentwickler gleichermaßen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen und Perspektiven.

Dem mobilen Arbeitnehmer bspw. – Produkt einer veränderten, digitalisierten Arbeitswelt – ist ein Höchstmaß an Flexibilität wichtig. Die Lösung, die wie maßgeschneidert für seine Bedürfnisse scheint, heißt temporäres Wohnen.

So kann er am Wochenende zu seiner Familie in die Provinz pendeln, während er die Arbeitswoche über in einem kleinen Apartment in Berlin wohnt. Oder er kann im Abstand von mehreren Monaten stressfrei in eine andere Stadt oder sogar ein anderes Land ziehen und dort einen Auftrag annehmen. Und da Zeit ein knappes Gut ist, wird auch der Wunsch nach maximaler Funktionalität und guter Lage immer höher. Voll möblierte Wohnungen im Stadtzentrum, wie Business-WGs ausgerichtet auf Kurzzeitmietverhältnisse ohne Umzugsstress, sprießen derzeit in Form ganzer Apartmentanlagen wie Pilze aus dem Großstadtboden. Im Segment der höherpreisigen möblierten Apartments verschaffen Wäsche- und Einkaufsservice dem Mieter noch mehr Komfort durch Service.

Alternative Wohnformen entstehen aber nicht nur durch einen erhöhten Bedarf nach flexiblen Wohnformen. Wohnungsknappheit und demzufolge horrende Mieten für 1- oder 2-Zimmer-Wohnungen ziehen ein Trend nach sich, der aus der Not fast schon eine Tugend macht: Mikroapartments bieten auf einer Wohnfläche von 20-30 qm eine vollwertige Wohnung zu einem bezahlbaren Preis. Einrichtung und Ausstattung sind stylisch und extrem minimalistisch-funktional – was von den Anbietern als modernes, urbanes Lebensgefühl verkauft wird.

Miniatur-HolzhausMenschen mit Eigenheim-Ambitionen aber knappem Budget verlegen sich zunehmend auf tiny houses. Dabei handelt es sich um Kleinsthäuser mit einer Grundfläche von zum Teil nur 8 qm, gängig sind etwa 15 qm. Die Blockhaus-artigen Behausungen – entweder Marke Eigenbau oder von einem Profi stylisch zusammengebaut – sind deshalb vor allem für Singles geeignet. Mit einem fahrbaren Untersatz versehen wird das tiny house sogar zum mobile home. Eigentlich perfekt für den digitalen Nomaden! Für diese alternative Form des Wohnens muss man aber schon gemacht sein und mit Entbehrungen umgehen können. Doch überzeugte Tiny-house-Enthusiasten schwören drauf: Weniger Fläche, Reduzierung auf das Wesentliche, mehr Lebensqualität. Es ist alles da, was man zum Leben braucht, nur eben in reduzierter Form. Mit Extras wie z.B. einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach kommt auch bei tiny houses der Nachhaltigkeitsaspekt zum Tragen.

Ökologische Wohnformen

Upps, haben wir oben nicht sagt, das Landleben sei nicht mehr so gefragt. In der allgemeinen Entwicklung mag das stimmen, aber auf der anderen Seite entscheiden sich auch immer mehr Stadtbewohner bewusst für ein ländlich geprägtes Leben. Nicht nur in Bezug auf ihre konkrete Umgebung, sondern auch auf die Lebensweise.

  1. Deshalb gründen sich immer mehr Hofgemeinschaften und Ökodörfer als alternative Wohnform. Darin verbindet sich eine gemeinschaftliche mit einer ökologischen, regenerativen Wohnform, die nachhaltiges Leben über alle Lebensbereiche hinweg praktiziert. Die Bewohner leben als Selbstversorger weitestgehend autark und selbstorganisiert. Dazu gehören bspw. der Anbau von Lebensmitteln und die Stromproduktion.
  1. Ähnlich gestaltet sich das Wohnen auch bei Co-housing Projekten. Co-housing-Gemeinschaften aus mehreren Wohnungen oder Häusern können auf dem Land wie auch in der Großstadt angesiedelt sein. Jeder Bewohner hat seinen privaten Rückzugsraum; Gemeinschaftsräume und -flächen wie Gemeinschaftsküche und Essbereich ergänzen den Wohnraum. Genauso wie in Serviced Apartments mit Community-Angeboten bestimmt auch beim Co-housing jeder Bewohner den Grad des Miteinander selbst.
    Die Idee hinter Co-housing ist nicht nur das aktive Zusammenwohnen in einer selbstgewählten Nachbarschaft und eine ausgeprägte Nachbarschaftshilfe (die immer auch Dienst an der Gemeinschaft ist), sondern auch die gemeinschaftliche Selbstorganisation, Verwaltung und Bewirtschaftung des Geländes – oft unter Nachhaltigkeitsaspekten. Das Planen und Teilen von Ressourcen geschieht zum Vorteil aller, in wirtschaftlicher wie ökologischer Hinsicht.